Kirche in Pfullendorf:

Der Teufel trifft Gott und sagt: „Durch Corona habe ich dir deine Kirchen endgültig geschlossen!“ Gott antwortet: „Irrtum! Ich habe gerade in vielen Häusern eine eröffnet.“ Dieser Witz hat mich beeindruckt. Ein Kollege erzählte ihn mir.

Vieles hat die Corona-Pandemie in unserer Kirche durcheinander gewürfelt, (Urlaubs-)Pläne über den Haufen geworfen. Und gerade in dieser Situation schafft Gott Neues. Er inspiriert zu neuen Aktionen und eröffnet andere Sichtweisen auf Bewährtes. Vieles, was unseren Glauben und unser kirchliches Leben geprägt hat, war und ist seit März nicht mehr möglich – vor allem Treffen in Gemeinschaft: Begegnung, Gottesdienste, Gruppen.

Doch es gibt stattdessen anderes, durch das wir erfahren: Gott ist da, er wirkt in dieser Welt, er hinterlässt seine Spuren bei uns. Wir finden seine Spur in der Hilfsbereitschaft, die viele Menschen für andere zeigen – in den kleinen Gesten der Zuwendung, einem Telefonat, einem Brief –, in den persönlichen Gebeten zu Hause oder in einer offenen Kirche, in kleinen Gottesdiensten oder beim gemeinsamen Feiern auf der Wiese, in neuen Ideen. Gott hinterlässt Spuren. Nicht immer nehmen wir diese auf den ersten Blick als seine Zuwendung wahr, weil sie verborgen oder leise sind. Viele dieser Spuren gab es schon immer. Aber wie leicht werden sie auf den breiten und selbstverständlichen Wegen übersehen oder überhört?  

Wo eine Spur verläuft, da ist schon jemand gegangen. Gott geht uns voraus. Oft genug an Orte oder in Situationen, die wir nicht kennen. Unser Auftrag ist es, als Spurenleser diese zu suchen.

Und wenn wir in diesen Tagen Gottes Spuren lesen, führen sie uns ganz besonders dorthin, wo sich die Auswirkungen der Corona-Krise zeigen: Zu den Trauernden. Zu den aufgrund von Corona Einsamen. Zu den Berufstätigen, zu den Familien, die die Auswirkungen der Einschränkungen besonders spüren. Zu den Menschen in den Ländern, in denen es keine funktionierende Gesundheitsversorgung gibt. Die Spuren des solidarischen Gottes führen ganz besonders zu denen, die in Not geraten sind und noch geraten.

Aktuell werden die bisherigen Auflagen an vielen Stellen gelockert – hoffentlich geht es so weiter. Ich wünsche mir, dass wir die Spuren Gottes bald wieder uneingeschränkt in unseren Gottesdiensten und Begegnungen erfahren. Ich hoffe aber auch noch etwas anderes: Nämlich dass wir die Erfahrungen dieser Zeit nicht vergessen. Dass wir nicht vergessen, wo wir Gottes Spuren noch suchen und entdecken können. Damit wir niemals dem Teufel auf den Leim gehen und denken, der Glaube sei abgeschafft. Damit wir immer auf Gott vertrauen: Er hinterlässt seine Spuren in dieser Welt. Er öffnet Türen und führt auf neue Wege.

Es grüßt Sie alle herzlich, auch im Namen des Seelsorgeteams
 
Johannes Schramm, Pastoralreferent

 

 

Johannes Schramm, Pastoralreferent