Kirche in Pfullendorf:

Erntedank? Erntedank!

Die gelbe Sonnenblume steht selbstredend als Symbol für die Farbe und Wärme der Sonne. „Gott der HERR ist Sonne und Schild“, singt der Psalmist (Psalm 84, 12); „Die güldne Sonne voll Freud und Wonne bringt unsern Grenzen mit ihrem Glänzen ein herzerquickendes, liebliches Licht“, dichtete Paul Gerhardt (EG 449, 1). Wenn ich eine Sonnenblume sehe, dann geht mir das Herz auf. Das Leuchten eines Sonnenblumenfel- des überwältigt mich. Für mich haben solche 

Natureindrücke immer etwas Tröstliches und sie erfüllen mich mit Dankbarkeit. „Schaut die Blumen auf dem Feld an, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen“ (Matthäus 6, 28f). 

Freilich fällt es nicht jedem leicht, dankbar zu sein. Es gibt Zeiten im Leben, da fehlen einem die Worte. Vor allem, wenn man in Not gerät, Ängste oder Sorgen hat – und einfach nicht weiß, wohin damit. Das geht heute manchem so angesichts des Corona-Virus: Man kann es nicht sehen und doch ist es da, hoch ansteckend und stellt das ganze gewohnte Leben auf den Kopf – bis hin zu ganz konkreten gesundheitlichen, wirtschaftlichen und kulturellen oder seelischen Problemen. 

Vielleicht liegt darin aber auch eine Chance. Die Folgen der Pandemie nötigen uns, unseren Alltag zu überdenken. Wertungen verschieben sich. Wir bewerten unsere Bindungen und das, was uns trägt und wichtig ist, vielleicht jetzt anders. Bedürfnisse verändern sich. Und wir leben vielleicht mehr im Jetzt. Wir können ja nur begrenzt planen. „Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde“, heißt es im alttestamentlichen Buch Prediger (Prediger 3,1). Das kann – bei allen Problemen – auch eine wohltuend reinigende Wirkung haben. Vielleicht planen wir viel zu viel und lassen sonst viel zu wenig auf uns einfach zukommen. Das ist meines Erachtens auch damit gemeint, wenn Jesus in der Bergpredigt sagt: „Sorgt euch nicht um euer Leben (...). Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner 

Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder seine eigene Plage hat“ (Matthäus 6, 25.33f.). Ich schaue hoffnungs- voll in die Zukunft. Ich freue mich auf die Begegnungen in den Gemeindekreisen, wenn ein Zusammenkommen wieder möglich ist. Wir werden reden und wieder fei- ern. Ich freue mich auf Kultur, die im Moment so einge- schränkt ist. Ich werde sie erst recht genießen. Ich habe mir vorgenommen, verstärkt zurzeit ruhende Kontakte zu pflegen. Es gibt so vieles, worauf ich mich freue – nach der Pandemie. Bis dahin genieße ich um so intensiver jeden Augenblick schönen Lebens und das Wissen voneinander, die wir in Jesus Christus verbunden sind. Dafür bin ich dankbar! Solche Augenblicke und Glücksmomente verbunden mit Gottvertrauen wünsche ich Ihnen allen, gerade und trotz der Pandemie. „Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren. (Philipper 4,7). 

Noch schöne sonnendurchflutete Spätsommer- und Herbsttage wünscht Ihnen 

Pfarrer Uwe Reich-Kunkel 

 

 

Johannes Schramm, Pastoralreferent