Kirche in Pfullendorf:

 

Liebe Gemeinde,

Ostern liegt knapp hinter uns. Die gemeinsame Feier dieses Festes ist kein Blick in die Geschichte, auf ein Ereignis, das vor 2000 Jahren geschehen ist.
Für mich bedeutet es vielmehr, dass wir konsequent lernen, in die Wirklichkeit von 2021 zu schauen, uns von der aktuellen Situation ergreifen lassen – gerade wenn sie in vielerlei Hinsicht grenzwertig ist. Das Leiden und Sterben Jesu dauert an. Es wird weiter betrieben, auch von der Kirche selbst, zum Beispiel im Umgang mit den Opfern sexualisierter Gewalt oder bei der Rolle der Frau. Und auch mit der ausgebeuteten Natur identifiziert sich der leidende Christus.
Ostern mutet uns Einiges zu und hat wenig mit heilem Familienfest und Ostereiern zu tun. Ich höre vielmehr den Ruf, unsere Grenzen anzuerkennen und im wahrgenommenen und geteilten Leid einander nahe zu kommen. Weil Gott und nicht irgendjemand uns ruft, geht etwas. Er möchte mit seiner Liebe erreichen, dass wir uns einsetzen und ist trotzdem nicht eingeschnappt, wenn wir nicht sofort auf seinen Ruf antworten.
Der Weg Jesu ist spätestens seit unserer Taufe auch unser Weg: In uns lebt mehr als unser äußerlich wahrnehmbares Leben. Die österliche Frage lautet: Wollen wir uns darauf einlassen, uns ans Grab heranwagen wie Maria Magdalena am Ostermorgen? Wollen wir diese Erfahrung – auch wenn es nur eine Ahnung ist – als Richtschnur nehmen? Mit dieser Entscheidung und unserem Engagement steht und fällt alles.  Nur wenn wir versuchen, in diesem Sinne als Auferstandene zu leben, wird das Christentum bei uns Zukunft haben, denn es geht im Christentum nur um das Erleben dieser starken österlichen Kraft. Alles andere in unseren Gemeinden ist zweitrangig.
Das gilt auch für die Coronakrise: Die schmerzenden äußeren Abstände können wir weiterhin als Chance begreifen, auf unserem inneren Weg voranzukommen!
Die Osterzeit dauert 50 Tage, deshalb wünsche ich Ihnen und allen, die zu Ihnen gehören, heute eine frohe Zeit!

Ihr Johannes Schramm
Pastoralreferent

 

 

 

 

Johannes Schramm
Pastoralreferent